Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Das grundlegende theoretische Modell menschlichen Erlebens und Verhaltens und das damit verbundene Menschenbild von Vertretern Kognitiver Therapieverfahren besagt im Wesentlichen das, was bereits der römische Stoiker Epiktet (50-138 n.Chr.) formulierte:

 

»Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen,

sondern ihre Vorstellung von den Dingen«

 

Demnach kann der Mensch über seine »Vorstellungen« (Kognitionen) sein Erleben und Verhalten in entscheidendem Masse selbst bestimmen. Er ist also Umwelteinflüssen nicht hilflos ausgeliefert und - im Gegensatz zu klassisch-psychoanalytischen Auffassung - nicht passives Opfer seiner vergangenen Erfahrungen, sondern er kann, durch die Art und Weise, wie er die Ereignisse und Situationen in seinem Leben »kognitiv verarbeitet«, wie er sie interpretiert und bewertet, sein aktuelles Erleben und Verhalten selbst steuern bzw. zumindest beeinflussen (vgl. Wilken, 2006).

 

Philosophen der Antike und die Vertreter aller kognitiven Therapien teilen die Auffassung, dass Affekte, Gefühle und Leidenschaften in hohem Masse bestimmt sind durch kognitive Prozesse. Zentrale Grundannahmen und Lebensregeln kognitiver Therapien wurden bereits von den Epikureern und Stoikern formuliert. Ungünstige Grundüberzeugungen fördern die Entwicklung von psychischen Störungen und Verhaltensproblemen. Angst vor der Symptomatik (»symptom stress«) erhöht das Risiko einer Chronifizierung (vgl. de Jong-Meyer, 2009).